Auszug aus der Ortschronik

(kleiner Auszug aus der Schul- und Dorfchronik von OSR Franz Stifter)

Aus Funden, die in der Umgebung des Ortes getätigt wurden, können wir schließen, daß unsere Gegend sowohl in der Steinzeit, wie auch in der Bronzezeit schon bewohnbar war. Das älteste Volk, das unsere Gegend bewohnte, waren die Illyrer. Gegen Ende der Bronzezeit eroberten die Kelten unser Land von Norden her. Sie wurden im 1. Jahrhundert vor Christi besiegt. Das Gebiet wurde entvölkert und von den römischen Schriftstellern die "Bojerwüste "  genannt. Als die Römer im 1. Jahrzehnt unserer Zeitrechnung unter Kaiser Augustus Pannonien zu besetzen begannen, fanden sie hier kaum Widerstand. Um ihre ausgedienten Legionäre mit Land zu versorgen, wurde die "Bojerwüste" besiedelt.

Auch die an unserem Ort vorbeiführende Straße verdankt ihre Entstehung den Römern. Sie war die wichtigste Handelsstraße des römischen Reiches (Bernsteinstraße). Von Aquileja ausgehend führte sie über Savaria und Scarabantia nach Carnuntum. An dieser belebten Handelsstraße siedelten sich die römischen Veteranen an und so können wir annehmen, daß schon in dieser Zeit in unserer Gegend eine Siedlung entstand. Nach dem Einfall der Markomannen und Quaden wurde unsere Gegend verwüstet und der Verfall der Provinz war nicht mehr aufzuhalten. Um das Jahr 375, mit dem Beginn der Völkerwanderung, wurde unser Land für Jahrhunderte ein Durchzugsgebiet für viele Völker und Stämme, sodaß alle römischen Siedlungen allmählich wieder verödeten.

Noch bevor die Hunnen Pannonien erreichten, wird es von den Rugiern durchzogen. Nach Attilas Tod im Jahre 455 werden die Ostgoten die Herren Pannoniens. 568 erscheinen die mongolischen Avaren. 768 zerbrach Karl der Große die Macht des Avarenreiches. Nach der Niederlage der Avaren setzte die deutsche Besiedlung des eroberten Landes ein. In der Mitte des 9. Jahrhunderts dürfte auch das Gebiet unseres Heimatortes wieder besiedelt gewesen sein.

Nicht einmal ein Jahrhundert lang sollte die friedliche Entwicklung der Karolingischen Mark dauern.

Um das Jahr 900 wurde Pannonien von den Magyaren plündernd durchzogen. In den ersten Jahren des 10. Jhdts. gelang es zwar den Bayern immer wieder die magyarischen Angriffe zurückzuweisen, doch als im Jahre 907 der bayrische Heerbann in der Gegend von Preßburg vernichtend geschlagen wurde, fiel die ganze Ostmark bis zur Enns in die Hände der Magyaren. Ein großer Teil der Bevölkerung wird in diesen unruhigen Zeiten umgekommen sein, andere flüchteten nach Westen. Da aber die Magyaren ihr Land nur etwa bis zum Ostrand der Kleinen Ungarischen Tiefebene bewohnten, wurde unsere Gegend unbewohntes Ödland und blieb es das ganze 10. Jahrhundert hindurch. Wohl begannen nach der Schlacht am Lechfelde (955) die Deutschen wieder nach Osten vorzudringen, im gleichen Maße aber verbreiteten sich die Ungarn nach Westen, bis man zu Zeiten König Stefans des Heiligen beiderseits die Leithagrenze erreichte. Die ungeregelten Flußläufe der Leitha, Rabnitz und Raab bildeten mit ihren undurchdringlichen Sümpfen und Wäldern den besten Grenzschutz für die Ungarn. Die wenigen Zugangsstraßen waren durch Grenzverhaue aus Holz und Erde gesichert. Unsere Gegend lag zwischen zwei Grenzen und bildete lange das Streitobjekt zwischen den Babenbergern und den Ungarn. Mehrmals war es im Besitze der Babenberger oder des Kaisers, 1044 bis 1058 war sogar ganz Ungarn ein deutsches Lehen. Die meisten Kämpfe um das Grenzland spielten sich aber im Norden des heutigen Burgenlandes ab, so daß vermutlich unsere Gegend sich spätestens im 12. Jahrhundert wieder zu besiedeln begann. Mitte des 12. Jahrhunderts wanderten viele Deutsche, besonders Bayern und Franken nach Ungarn ein und in dieser Zeit wird wahrscheinlich auch unsre Ortschaft entstanden sein. Das kann man um so sicherer annehmen, als unser Ort schon 1225 erwähnt wird und eine Stammbesitzung des Klosters Marienberg bildet, welches 1194 gegründet wurde und mit dessen Schicksal  das unseres Heimatortes nun auf lange verbunden blieb.

 Die Karolingische Grenzmark

Nach der Niederwerfung der Avaren (796) errichtete Karl der Große (768 - 814) in unserem Raum eine Mark, die bis in die Ungarische Tiefebene reichte. Unter den Marken hatte Oberpannonien, zu dem damals Nord- und Mittelburgenland gehörten, eine besondere Vorrangstellung. Vom Jahre 894 an mußte Pannonien - also unser Gebiet - ständig unter den Einfällen und Raubzügen der Ungarn leiden. 

Bayrische Siedler wurden in den fast menschenleeren Raum geholt. Sie bildeten den Grundstock für die deutsche Besiedlung der nachfolgenden Zeit.

Das Frankenreich, in dem viele germanische Stämme vereinigt waren, war das Nachfolgereich des zerfallenen Römerreiches. Dieses Reich hatte unter Kaiser Karl dem Großen die größte Ausdehnung. Er mußte sein Reich gegen viele Feinde verteidigen. Zum Schutze des Reiches errichtete er an den Grenzen sogenannte Grenzmarken. Auch im Gebiet unserer heutigen Heimat war eine solche Karolingische Grenzmark. In dieser sorgte der Markgraf für Recht und Ordnung und für den Schutz der Grenzen.

Da Mannersdorf möglicherweise schon um 1070 n. Chr. von den Leuten des Grafen Formbach-Pitten gegründet wurde, dürfte die Gegend Klostermarienberg Mannersdorf schon in der Frühzeit der Arpàrden von deutschen Bauern besiedelt worden sein. Zur Zeit der frühen Arpàrden war der hier absichtlich öde gelassene Grenzstreifen Ungarns Königsgut.

Nach Dr. Elemèr Moòr schenkte um 1140 der damalige König das Land um Mannersdorf dem ihm getreuen Gespan Dènes, der seinen Besitz dem Gespan Florentinus verkaufte. Von diesem erlangt den Landstreifen wieder durch Kauf Banus Dominikaus dem altungarischen Geschlechte der Bors. Sowohl König Bèla  III. (1170-1196) als auch Banus Dominik verpflichteten sich zu einem Kreuzzug in das gelobte Land. Beiden war es nicht möglich ihr Gelübde zu erfüllen und anstatt des unterbliebenen Kreuzzuges stiftete Banus Dominik im Jahre 1194 das Zisterzienserkloster Marienberg, zu dessen Ausstattung Mannersdorf und noch weitere sieben Dörfer der Umgebung gehörten.

Als weitere Schenkung an dieses Kloster durch den Grafen Nikolaus de Bors, dem Sohne des Vorigen, wird "LAZTAY", das ist Unterloisdorf, zuerst in einer Urkunde vom Jahre 1225 genannt. der Name "Laztay" geht auf einen Führer der ursprünglichen slawischen Siedlung namens "Vlastoj" oder "Vlastej" zurück. Der Name bedeutete einen Machthaber oder Herrn. Die deutschen Kolonisten machten daraus ihr mundgerechtes "Lois" und fügten die Silbe "dorf" hinzu. Die Bezeichnung "Lozdorf  i nferior" begegnet und urkundlich erst im Jahre 1363, als aus dem ursprünglich nur einem Loisdorf sich ein Unter- und Ober- Loisdorf abgesondert hatten.

Die Ungarn sprachen noch bis in das 16. Jahrhundert hinein immer von einem "Laztay" , bis dann in einer Urkunde vom Jahre 1558 die Form "Laszlay" auftaucht, wahrscheinlich zufolge der Einwirkung der deutschen Silbe "Lois" unter Anknüpfung an den ungarischen Taufnamen "László" . Davon kamen sie auf ihre endgültige Namensform "László" (Felső-und Alsó- László).

Im Jahre 1268 gab ein Adeliger Corrald von Loisdorf seinen hiesigen Besitz dem Kloster zurück. Auch der Palatin Nikolaus von Güssing hatte hier in Unterloisdorf Besitz, den er im Jahre 1285 ebenfalls dem Kloster übertrug. Im Jahre 1363 verkaufte der Adelige Johann, Sohn des Nikolaus von Pullendorf, Richter in Güns, seine neben dem Dorfe Unter-Loisdorf stehende Adelskurie (curiam sita  penes  vilam inferiorem Lozdorf) dem wahrscheinlich Günser Ehepaar Ditrich und Gisela Schnodel.

Als König Sigismund (1387 - 1437) im Jahre 1387 die Regierung in Ungarn antrat, scheint der Besitz von Unterloisdorf für das Kloster nicht ganz gesichert gewesen zu sein, denn er gab von seiner Burg Wischegrad aus dem Kapitel in Eisenburg den Auftrag, das Kloster wieder in den Besitz der Dörfer Prössing, Siegersdorf, Bleigraben und Unterloisdorf einzuweisen. Das Mutterstift des Marienberger Klosters war die Zisterzienserabtei Heiligenkreuz in Niederösterreich. Deshalb waren die Äbte von Klostermarienberg meist auch österreichisch-deutsch gesinnt. Mit König Sigismund gab es viele Schwierigkeiten. Er war unberechenbar und selbstherrlich. Die Unzufriedenheit mit ihm benützte der österreichische Herzog Wilhelm, drang um 1406 mit Heeresmacht in Westungarn ein, eroberte für kurze Zeit auch Lockenhaus. er wollte ungarischer König werden, wurde aber bald aus dem Lande verdrängt. Die Marienberger Äbte waren bei diesen Händeln scheinbar in die österreichischen Bestrebungen verwickelt gewesen. Sie wandten sich wohl  wieder zum siegreichen Sigismund hin, aber die Kanizsays, ein ungarisches Hochadelsgeschlecht, trauten ihnen nicht mehr und sahen sie als ihre Feinde an.

Ähnliche Wirren wegen des ungarischen Thrones entstanden auch nach 1439. Jetzt war es hauptsächlich der spätere Kaiser Friedrich III. ,der sich des ungarischen Thrones bemächtigen wollte. Doch trat ihm der im Jänner 1458 erwählte König Matthias entgegen und schlug seine Truppen im Jahre 1459 zwischen Güns und Pinkafeld. Damals wurde auf kurze Zeit auch Unterloisdorf in die Kriegsläufe einbezogen. Der Söldnerführer Kaiser Friedrichs III. von Pottendorf bedrängte schon hart die Kanizsaysche Burg Lockenhaus. Darauf sammelten die Grafen Ladislaus und Nikolaus Kanizsay eilig in "Nieder-Losdorf" 600 Reiter, rückten von hier nach Lockenhaus vor, befreiten die Burg von der Belagerung und nahmen 17 Reiter gefangen. Wahrscheinlich zur Abschreckung schickten sie dann noch 60 Reiter nach Kirchschlag, dem damaligen Sitz des Pottendorfers.

Das Verhängnis trat für Klostermarienberg im Jahre 1532 ein, als die Türken im Spätsommer Güns belagerten. Damals wurde auch über unser Dorf unsagbares Leid gebracht. Am 5. August 1532 erschien ein Türkenheer von sechzigtausend Mann vor Güns und belagerte diese Stadt, die unter Führung des Nikolaus Jurisits von nur einigen hundert Kriegern, Günser Bürgern und in die Stadt geflüchteten Bauern aus der Umgebung verteidigt wurde. Während der fünfundzwanzigtägigen Belagerung wurden alle umliegenden Dörfer, auch unser Ort und das Kloster Marienberg, von türkischen Truppen verwüstet. Vieh und alle Lebensmittel wurden geraubt, die Häuser angezündet und die Bewohner, wenn sie nicht rechtzeitig geflohen waren, ermordet oder in die Gefangenschaft geschleppt. Die Ordensleute des Klosters Marienberg sind geflohen und nicht mehr zurückgekommen.

König Ferdinand  I. verlieh die Herrschaften Güns und Klostermarienberg dem tapferen Verteidiger Nikolaus Jurisits. Das Kloster wollte König Ferdinand wieder in den alten Stand zurückversetzen, aber es kam nur zu Ernennung neuer Äbte, die ohne Ordensleute in Wien wohnten. Ein solcher Abt war Andreas Michalewitsch, der sowohl mit dem jüngeren Jurisits, wie auch mit den Kanizsays von Lockenhaus viele Prozesse und Zusammenstöße hatte.

Um das Jahr 1568 dürften in Unterloisdorf und anderen Dörfern der Umgebung Kroaten angesiedelt worden sein. Nach der Zerstörung und Niederbrennung des Ortes durch die Haiducken und Tataren des Stefan Bocskay in den Jahren 1605 - 1606 war Gregor Devsi`c Richter von "Alsó Lazlay" (Unterloisdorf). Geschworene sind Adam Perkovac und Christoph Zidani`c. Die ganze Gemeindevorsteheung ist auf einmal kroatisch. Aufrechte Bauern sind nur vier vorhanden, einer mit einer ganzen, drei zu je einer halben Ansäßigkeit. Dreiundzwanzig Bauernhöfe sind verödet. Unter den jetzt aufrechten und abgestifteten Bauern, die noch vorhanden sind und trachten, ihre Häuser wieder aufzubauen und ihre Wirtschaften wieder einzurichten, kommen Zidani`c, Horvóath, Staller, Weber, Binder, Devsi`c, Perkovac, Goljak, Mesar, Markovi`c, Grani`c, Mattasi`c, Schlögl, Strohschneider, Breidl, Sebestén, Baranyai und Kovács vor. Im ganzen 11 deutsche, 10 kroatische und 5 ungarische Namen. Zu einem ganzen Sitz gehören 18 Joch Äcker, 2 Tagwerke Wiesen, zu einem Söllnerhaus 3 Joch Äcker ohne Wiesen. Brennholz kauft man von der Lockenhauser Herrschaft. Im Hotter steht nur ein kleiner Wald.

Eine Aufzeichnung vom Jahre 1622 zeigt, daß der 1605 - 1606 verwüstete Ort in kurzen 14 Jahren nicht nur ganz hergestellt, sondern auch noch vergrößert wurde. Von den jetzt 37 aufrechten Bauern: 1 eine anderthalb, 9 je eine ganze, 20 je eine halbe, 4 je eine Viertel und 3 je eine Sechstel Ansäßigkeit.

Die Kirche (hier wird diese das erstemal erwähnt) hat 30 Joch Äcker verpachtet, das Joch zu 1 Metzen Frucht, und auch Wiesen. Nach einer kanonischen Visitation vom Jahre 1647 ist Unterloisdorf eine Filiale der Pfarre Mannersdorf. Die Ortskirche steht im freien Feld und ist der heiligen Radegundis geweiht. Diese Kirche befand sich an der Stelle wo sich heute die Annakapelle befindet. Nach einer kanonischen Visitation vom Jahre 1651 ist das Sanktuarium der Kirche gewölbt, das übrige Schiff hat eine Bretterdecke, der Turm trägt eine Glocke. 1697 stellte man im Dorf eine zweite Glocke auf. Die Bevölkerung von Unterloisdorf, 277 Seelen umfassend, ist ganz katholisch.

Im Jahre 1785 hatte der Ort 61 Häuser und eine Bevölkerung von 432 Seelen. Um das Jahr 1872 war Ludwig Becker(evangelisch), Pächter des Herrschaftsgutes, zu dem ein im Ort sich befindender Meierhof gehörte.

Immer wieder kam es irgendwo in unserer Gegend zu Feindseligkeiten. Einer schriftlichen Aufzeichnung zufolge kam es bei einem Kirchweihfest auch in Unterloisdorf zu einer Ausschreitung. Ein gewisser Valentin Finta, ein zur Lockenhauser Herrschaft gehörender Untertan , verursachte mit seinen Söhnen hier einen Auflauf. Die Ruhestörer wurden vom Ortsrichter und Klosterverwalter zur Verantwortung gezogen, dann wieder freigelassen. Diese gingen weg, kehrten aber mit 12 bewaffneten Gefährten wieder zurück, bedrohten den Richter und schleppten eine Frau und einen Mann aus Unterloisdorf als Geiseln  nach Lockenhaus mit.

Im Jahre 1568 verlieh Ferdinand I. Kloster Marienberg der Familie Nádasdy, in deren Besitz die Herrschaft bis 1671 verblieb. 1676 kaufte Graf Paul Esterházy die Klosterer Herrschaft. 1680 übergab er das Kloster mit den anschließenden Grundstücken dem Stifte Lilienfeld in Niederösterreich, die anderen, früher zum Kloster gehörenden Besitzungen, also auch Unterloisdorf, wurden der Herrschaft Lockenhaus einverleibt. Das 17. Jahrhundert war eine Zeit friedlicher Entwicklung für unsere Gegend, denn auch die in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts wieder auflebenden Türkenkriege haben unsere Gegend nicht berührt. Im Jahre 1809, als die Franzosen die westlichen Komitate Ungarns überfluteten und den ungarischen Landsturm zurückdrängten, wurden hier überall französisches und österreichisches Militär einquartiert, für deren Verpflegung auch die Gemeinden aufkommen mußten. 1848 zogen die Kroaten unter Jellasich durch unsere Gegend. Der Schrecken, der diesem Herrn voranging scheint aber größer gewesen zu sein, als notwendig gewesen wäre.

Aus dieser Zeit stammt auch die Spottsage vom "Pfluiradl" , die in Unterloisdorf von den Mannersdorfern, dort aber von den Unterloisdorfern erzählt wird. Als nämlich die Kroaten herannahten, zogen die Unterloisdorfer (Mannersdorfer) ein "Pfluiradl" auf den Kirchturm. Die vom Turm herausragende Pflugstange sollten die Kroaten für ein Kanonenrohr halten und dadurch den Ortschaften ausweichen.

(kleiner Auszug aus der Schul- und Dorfchronik von OSR Franz Stifter)

Barbara | Sunday 22 August 2010 - 9:18 pm